Freitag, 11. Mai 2012

Bahnfahren

Ich bin überzeugte Nicht-Bahnfahrerin.

Mein letzter "Kontakt" mit der Deutschen Bahn war 2005. Ich wollte mir zu Weihnachten eine Bahnfahrt ins Sauerland gönnen, weil ich keine Lust hatte, mir nach dem Arbeiten (in Karlsruhe heißt das "Schaffen") noch mit zig anderen Autofahrern die Autobahn zu teilen. Also wollte ich "früh buchen" - wegen "Frühbucherrabatt". Gibt es den noch? Egal. Zu Weihnachten gab es ihn nicht: Mitte Dezember wurden die Fahrpläne umgestellt. Vorher buchen ging nicht, nachher buchen war für Frühbucherrabatt zu spät. Tolle Wurst!

Also nach der Fahrplanumstellung nochmal geschaut, wie mich die DB ins Sauerland (Brilon) bringen könnte. Abfahrt irgendwann nachmittags... nachts drei Stunden Aufenthalt in Kassel?! Neee! Vielleicht früher los? Ok, kein nächtlicher Aufenthalt von mehreren Stunden. Aber eine reine Fahrtdauer von weit über acht Stunden?? In "guten Zeiten" schafft man es mit dem Auto in vier! Und nach den acht Stunden stehe ich mitten in der Nacht in Brilon-Wald, der erste Bus morgens fährt erst in mehreren Stunden nach Brilon? Hilfe! Wer holt mich denn dann ab??

Ein Blick auf den Preis lies mich fast in Ohnmacht fallen. Damals wurde gerade Werbung gemacht, was 100 Kilometer mit der DB durchschnittlich kosten (oh, so günstig - viel günstiger als mit dem Auto!). Demnach liegt Brilon allerdings irgendwo in Norwegen oder Schweden - wenn nicht sogar in Finnland.

Seitdem habe ich nie wieder überlegt, mit der Bahn fahren zu wollen.

Tja, bis die Fahrten zu den Kunden kamen.

Bisher lief es ganz gut = die eine Fahrt nach Stuttgart.

Gestern ging es wieder nach Stuttgart. Der Termin war pünktlich zu Ende. Doch die SSB (Stuttgarter Straßenbahn), die wir gebraucht hätten, um pünktlich am ICE zu sein, fiel aus unbekannten Gründen aus/kam nicht/war einfach nicht da. Die nächste Bahn kam, Ankunft laut App zwei Minuten nach Abfahrt des ICEs. Mein Kollege meinte, sie käme wohl "leicht" früher an, wir könnten ja mal "laufen" - immerhin kam die nächste gute Verbindung erst einiges später und Reservierung hätten wir dann auch keine gehabt. Und wir liefen nicht, wir rannten! So sprangen wir grad noch in den eben abfahrenden ICE. So dachte ich gestern noch, dass die eine oder andere Verspätung bei der Bahn doch ganz ok ist.

Heute ging es nach Frankfurt. Auch der Termin war pünktlich zu Ende. Bereits auf dem Weg zum Bahnhof erfuhren wir, dass unsere Bahn Verspätung haben würde. Also mal "gemütlich". Noch vor unserer Ankunft wusste mein Kollege von seiner App, dass die Bahn ganz ausfallen würde. Komischerweise stand am Bahnhof noch nichts dazu! Also auf zum Gleis. Hier wurde allerdings dann doch irgendwann der Ausfall der Bahn angezeigt.

Was nun? Informationen an Hauptbahnhöfen sind da nicht gerade hilfeich!

Die App meines Kollegen wusste schließlich was von einer "Ersatzbahn" auf Gleis 1. Nichts wie hin. Dass "noch nicht einsteigen" angezeigt wurde, ignorierten wir. Schon beim Einsteigen ließ sich nicht leugnen, dass die Bahn gerade Fußballfans oder ähnliche Gestalten transportiert haben musste: es roch nach Alkohol, überall lagen leere Flaschen, Dosen, Abfall. Genau das Richtige nach einem anstrengenden Tag bei gefühlten schwülen 35 Grad im Schatten!

Wir warfen uns wahllos auf einen Sitz - und die Bahn fuhr los! Da war jetzt aber noch keine Rede von gewesen! Abspringen? Um Hilfe rufen? An uns vorbei ging ein müllsammelnder Bahnmitarbeiter und murmelte was von "hätte man nicht einsteigen dürfen". Jaja, schon klar!

Da wir nicht die einzigen in der Bahn waren und wohl keine Entführung vorlag, haben wir uns wieder hingesetzt. Und irgendwann stand die Bahn auch wieder auf Gleis 1.

Immer wieder kamen Durchsagen, die Abfahrt verzögere sich... meist ohne Angabe von Gründen. Dann die Durchsage, es gäbe noch technische Probleme, in 40 Minuten melde er sich wieder, ob und wann wir fahren könnten. Wir schwitzen so vor uns hin und warteten. Was sollten wir auch machen?

Bereits nach 20 Minuten die Durchsage: "Abfahrt!" Nur gut, dass wir die 40 Minuten nicht noch im Bahnhof schoppen waren!

Was ich nie erwartet hätte: Bahnmitarbeiter gingen rum und verteilten Wasser an alle! Juchu, auch wenn der halbe Liter quasi sofort verdunstet war :)

Wir zuckelten gemütlich in Richtung Mannheim... in Mannheim stiegen massenhaft Leute ein, die Gänge waren voll gedrängt, alle mussten miteinander kuscheln. Dann die Durchsage: "Hier spricht der Zugführer. Ich kann es nicht verantworten, mit einem dermaßen überfüllten Zug zu fahren. Ich bitte die Mitfahrer auszusteigen, die nur bis Karlsruhe oder Freiburg wollen. Überlassen Sie die Plätze Fahrern, die nach Basel und weiter wollen, sie warten schon seit über drei Stunden hier in Mannheim auf eine Weiterfahrt!" Ich guckte meinen Kollegen entsetzt an. Ich sah uns schon die halbe Nacht in Mannheim am Bahnhof auf eine Weiterfahrt nach Karlsruhe warten... er: "Erstmal abwarten."

Keine Ahnung, wer sich "geopfert" hat - plötzlich fuhr der Zug los. Und mit elendiger Verspätung kamen wir in Karlsruhe an - ich hatte schon fast nicht mehr gewagt darauf zu hoffen :)

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