Montag, 12. Mai 2014

100 Tage cachen: am 73. Tag hätte ich fast aufgegeben ...

Liebes Tagebuch,

heute ist der 73. Tag in Folge, an dem ich einen Cache finden möchte. Und es ist der erste Tag, an dem ich kurz davor bin, alles hinzuschmeißen. Nur die Tatsache, dass ich mich dafür morgen in den Ar... Hintern beißen werde, lässt mich durchhalten (auch wenn sicher der Eine oder Andere gerne gesehen hätte, wie ich da ran komme).

Erst gestern bin ich nach dem vierten Cache in Viernheim vom Aprilwetter »überrascht« worden, das dieses Jahr eindeutig einen Monat zu spät dran ist. Klar, vier Caches bei Sonnenschein zu finden, ist natürlich klasse, da sollte der Fünfte im Regen nicht ins Gewicht fallen. Unfair war allerdings, dass der Himmel so plötzlich eimerweise Wasser herunter warf, dass ich nicht mal mehr Zeit hatte, mich zu verhüllen! So blieb mir nichts anderes übrig, als tropfnass bis zum fünften Cache zu schlurfen - echt erstaunlich, was so eine Hose mit jeder Minute Regen an Gewicht zulegt! -, einen Kurzlog abzusetzen und danach zum Auto zu schwimmen. Klar, dass bei meiner Ankunft dort der Himmel blau wurde und die Sonne wieder schien, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Das war gestern. Heute ist ein neuer Tag, also muss auch ein neuer Tagescache her. So ist die Regel. Öhm... oder nicht?

Ich bin zurzeit im Sauerland. Bummi Fröhlich wollte übrigens bereits im letzten Jahrhundert herausfinden, warum das Sauerland »Sauerland« heißt. Sie probierte einen Löffel voll mit Erde und stellte fest, dass sie nicht sauer schmeckt. Ich glaube - vor allem heute, am 12. Mai 2014 -, dass der Name von Sau-Erland kommt. Weil hier so oft Sau-Wetter ist! Wer mir widersprechen möchte, der soll das jetzt tun oder möge für immer schweigen ...

Es schüttet also wie aus Kübeln. Ab und an kämpft sich ein winziger Sonnenstrahl durch die finsteren Wolken, um fast auf der Stelle von der nächsten schwarzen Regenwolke wieder verdrängt zu werden. Ja, genau, das ist »Aprilwetter«! Wobei es sich zurzeit offenbar um die nasseste bekannte Variante »Aprilwetter« handelt.

Die Cachedichte ist im Sau-Erland nicht so hoch wie in und um Karlsruhe bzw. wie überhaupt im südlichen Deutschland. Zudem wurden einige der Dosen in der Umgebung bereits von mir gefunden, was die Auswahl etwas einschränkt. Gestern Abend habe ich in der Erwartung, dass das Wetter heute womöglich doch besser wird als vorhergesagt, eine Wanderung hinter Willingen in einer Ecke rausgesucht, in der ich noch nie war. Dort heute hin zu fahren, kann ich echt vergessen! Bei dem Sturm würde es mich glatt vom Hegekopf, Musenberg oder einer anderen Höhe pusten! Also fällt die Wahl auf einen Lost-Place-Multi in der Nähe mit überschaubaren drei Stationen und Final.

Bereits bei der Ankunft ist weit und breit kein Sonnenstrahl mehr zu sehen. Egal, ein Tagesfund muss her! Die erste Station ist nach geschickter Umschiffung eines herumliegenden Stacheldrahtstückes geborgen: ein Petling mit den Koordinaten für die nächste Station. An der zweiten Station öffnet der Himmel seine Schleusen, dass man meinen könnte, dort oben sitzt die Berufsfeuerwehr und jeder Feuerwehrmann hält einen Wasserschlauch direkt auf den Windsberg. Die Kollegen vom Blasorchester blasen zusätzlich ordentlich in ihre Instrumente, so stürmt es.

Unter diesen nicht unbedingt optimalen Bedingungen suche ich alles ab, was annähernd den dreieinhalb Terrainpunkten gerecht werden könnte - irgendwo muss die Bewertung ja herkommen? »Vermutlich ist der Empfang bei dem Wetter nicht so besonders«, versuche ich mich zu trösten und ziehe meine Suchkreise größer, was allerdings nichts bringt, schon gar keinen Fund. Die Verwirrung ist komplett, als ich in den Logs lese, dass der »Hinweis« an der zweiten Station »eindeutig« ist. Hinweis? Gibt es einen Hint?! Nä, gibt es nicht!

Nachdem ich mich etwas tiefer in den Wald verzogen habe, um Regen und Wind zumindest temporär zu entkommen, lese ich nochmal die Cachebeschreibung, die sich bis jetzt in meiner Hosentasche versteckte. Nur gut, dass mich hier in der Einsamkeit bei dem Wetter niemand beobachtet haben wird: Ich suche keine Koordinaten wie an der ersten Station, sondern Jahreszahlen! Na klasse, die hängen natürlich deutlich erkennbar herum.

Die Quersumme und die nächsten Koordinaten sind schnell berechnet und führen mich mitten in den Wald. Immerhin! Schließlich kann man den Logs entnehmen, dass viele der letzten Cacher mitten auf einem Feld gelandet sind. Bei dem Wetter ziehe ich den Wald vor. Da ich trotzdem nicht glaube, an der richtigen Stelle zu sein, gehe ich den eben verlassenen Weg weiter und komme zu drei Bauwagen: jeah! Jetzt nur noch den Hint »Das linke, traut euch« anwenden und bald geht es zum Final!

Denkste ... auch nach dem Studieren der Logs - »Kleine Menschen sind hier klar im Vorteil.« - und akrobatischer Einlagen inklusive »Eindrecken für Fortgeschrittene« lässt sich nichts finden. Immerhin bin ich inzwischen so durchgeweicht, dass ich den Regen von oben kaum noch wahrnehme. Aufgeben? Nein, natürlich nicht! Weiter suchen!

Nach über einer Stunde in Wind und Regen beschließe ich, doch den Rückzug anzutreten. Erst nach dem Verlassen des Waldes merke ich, wie tropfnass meine Hose ist, wie kalt sie an meinen Beinen klebt. Sau-Wetter!

Zurück im Auto wird der gelöste Mystery »in der Nähe« (knapp 7km mit dem Auto) zum Tagescache erklärt. Über Straßen, die ich bei dem Sau-Wetter kaum erkennen kann, schwimme ich den Koordinaten entgegen. »Mist!«, in den unscheinbaren Weg hätte ich grad abbiegen müssen! Also 200m weiter unten fix gewendet und den Berg wieder rauf, Auto abgestellt.

Der Weg zur Dose ist nur leicht schlammig, da habe ich heute Schlimmeres erlebt! Leider klebt inzwischen meine Hose so an den Beinen fest, dass das Gehen kein Vergnügen mehr ist. Außerdem fühle ich mich inkontinent! Tapfer kämpfe ich mich weiter. Bei den Koordinaten angekommen dann der Schock nach einem Blick aufs GPS: »Ein Micro! Im Wald!« Außerdem der Hint: »Unten am Baum«, weil es im Wald ja so wenig Bäume gibt! An das Attribut »Dornen« erinnere ich mich nicht, bleibe aber ständig in welchen hängen. Zum Glück sind meine Beine so kalt, dass ich es kaum bemerke. Jeder Baum wird »untenherum« begutachtet. Spuren lassen vermuten, dass ich nicht die Erste bin, die hier »wühlt«. Nachdem sich nach einer gefühlten Ewigkeit - eine »gefühlte Ewigkeit« scheint bei dem Wetter schneller einzutreten als bei angenehmem Wetter - kein Fund einstellt, lese ich Logs: »... Cache gut gefunden ...« und »... konnten ... die Dose schnell finden ...«, dann noch: »... mit Pumps auf ein paar Meter in den Wald ...« Pumps? P-U-M-P-S? Wie bitte? Und ich breche mir in Wanderschuhen fast die Gräten? Da stimmt was nicht ...

Richtig, da war noch das Ding mit der Peilung: An die Final-Koordinaten kommt man nicht durch reine Berechnung, sondern durch Berechnung mit anschließender Peilung im Kilometerbereich. Möglicherweise ist die Dose doch nicht 20m vom Weg entfernt? Auf dem Weg in Richtung Weg fällt mir eine nicht mal unauffällige Rinden-Anordnung auf, drunter liegt der Micro! Mein Tagesfund!

Unnötig zu erwähnen, dass der Regen auf der Rückfahrt aufhörte, oder?

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