Montag, 2. Juni 2014

Mein erstes Mal: einen Geocache mit dem Smartphone (Android) suchen - welche Abstriche muss man gegenüber dem Magellan machen?

Dass mein Magellan und ich die allerbesten Freunde sind, habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Das Gerät begleitet mich nun schon länger als drei Jahre. Über 300 GPX-Files mit oft großen Touren habe ich abgespeichert, lt. Statistik war ich sogar an über 350 Tagen cachen (wahrscheinlich hat nicht jeder Tag eine speicherwürdige GPX geliefert, beim Suchen war das Magellan aber mit Sicherheit fast immer dabei). Und das mag ich so an meinem Gerät bzw. VantagePoint:

Übersicht über Caches und (auch eigene) Wegpunkte in VantagePoint (automatischer PQ-Import) Planen von Routen in VantagePoint
Einblendung der Realkarte Übertragung aller Cachebeschreibungen an das Gerät mit allen Infos (inklusive Bildern)
Navigation zum Cache (Luftlinie, Radweg ...), unten können verschiedene Felder eingeblendet werden Hinzufügen von Wegpunkten (z. B. beim Multi)
Loggen des Caches mit Text
(später Upload bei Groundspeak = "Field notes")
Informationen zur aktuellen Tour/zum aktuellen Track
Auswertung der Tour in VantagePoint (Track, Kilometer, Höhenprofil, gefundene Caches, Wegpunkte ...) Das Gerät macht erstaunlich gute Fotos
(mit GeoTags - selbstredend)

Bisher bekannte Nachteile:
  • Es können nicht mehrere Instanzen von VantagePoint nebeneinander existieren (wie z.B. bei MapSource), sodass eine GPX-Datei immer nur "dazu" geladen nicht aber separiert geöffnet werden kann.
  • Peilen mit dem Gerät funktioniert nur vom aktuellen Standort und nicht etwa von einem Cache oder einem Wegpunkt aus.
Dass Garmin einen Teil "meiner Anforderungen" nicht erfüllt, weiß ich schon. Wobei ich nochmal aufrufen möchte, kann mich jemand über die neuen intelligenten Benachrichtigungen aufklären?!

Nun zum Test: Kann ein Smartphone mit entsprechenden Apps mein Magellan ersetzen, falls das mal den Geist aufgibt?*

Da das Smartphone auch mal herunter fallen können sollte, ohne gleich auseinander zu fallen und beim Geocachen nicht immer das beste Wetter herrscht, soll es kein Sissi-Smartphone sein. Die Wahl fällt auf ein Samsung Xcover 2 mit Android 4.1.2, was auch vom Geocaching Magazin schon mal auf Geocachingtauglichkeit getestet wurde. Der Dreck vom Bild wird übrigens nicht mitgeliefert!

Das Programm meiner Wahl ist c:geo, was ich bisher nur hier und da mal verwendet habe, um einen kurzen Blick auf eine Cachebeschreibung zu werfen, wenn das GPS grad nicht zur Hand oder mit dem Cache nicht ausgestattet war. Leider ist die deutsche Beschreibung offenbar veraltet, die Anleitungs-App (zuletzt aktualisiert an Silvester 2011) läuft gar nicht mehr - zumindest nicht auf den von uns verwendeten Smartphones. Auch die englische Anleitung scheint nicht aktuell zu sein. Also Try & Error!

Natürlich habe die die Anleitung trotzdem überflogen und dabei erfahren, dass man auf jeden Fall die "GPS Status und Toolbox" installieren sollte (wird dann von c:geo eingebunden). Auch wenn ich den Kompass beim Magellan selten verwendet habe, die Satellitenübersicht ist hilfreich.

Die erste große Herausforderung: Die Geocachesuche mit Smartphone muss (vorerst) "offline" funktionieren! Dass will gut vorbereitet sein!

c:geo bietet die Möglichkeit, Cachebeschreibungen - auch mit Bildern! - auf das Smartphone zu laden, um später - offline - alle nötigen Informationen zum Cache parat zu haben. Also erstelle ich mir eine neue Liste und lade mir ein paar Caches vom geplanten Zielgebiet auf das Gerät. Die einfachste Möglichkeit ist wohl, die Karte des Gebiets zu laden und die dort gezeigten Caches in eine Liste zu verfrachten. Zwar kann man direkt mit Groundspeak Kontakt aufnehmen und sich (häppchenweise immer 20 Caches mehr) seine Pocket Queries ansehen und laden, aber für Spontan-Aktionen ist die Karten-Variante die in meinen Augen verwenderfreundlichere.

Hinweis: Wenn man über die Verbindung zu Groundspeak geht, wird die PQ-Abfrage wohl neu abgeschickt, was den Vorteil hat, dass sie u. U. aktueller ist als die, die man herunterladen und entpacken kann. Zudem sieht es so aus, dass auch nicht generierte PQs zur Verfügung stehen und abgerufen werden können.

Während ich also warte, lese ich in der (veralteten) Anleitung: "Im Moment kann c:geo leider keine eigenständigen Wegpunkt-GPX-Dateien importieren. Solche Dateien werden zwar gelesen, aber es wird kein Wegpunkt daraus entnommen und im Mobilgerät abgespeichert. Letztlich liest c:geo nur Geocache-Informationen ein." Habe ich jetzt Wegpunkte oder nicht? Bei Multi-Caches komme ich "ohne" ja oft gar nicht weiter! Aber ich habe die Daten ja auch nicht nur aus einer GPX-Datei ...

Nach dem Download beruhigt mich ein Blick in eine der Cachebeschreibungen: Doch, die Wegpunkte wurden mit geladen! Sehr schön.

Um meine gelösten Mysteries parat zu haben, möchte ich diese zusätzlich per herunter geladener und auf dem Handy entpackter GPX-Datei laden. Diesen "Umweg" muss ich gehen, da ich meine Koordinaten nicht bei Groundspeak sondern nur bei mir lokal in der GPX-Datei ändere (nach Lösung des Rätsels). Nachdem ich die GPX-Datei geladen und die gut 200 Caches importiert habe, müssen die Bilder noch über "Alle aktualisieren" nachgeladen werden. Dies dauert wesentlich länger als die Übertragung von VantagePoint zum Magellan, grob geschätzt etwa doppelt bis dreimal solange. Und bei 41% ist Schicht im Schacht!

Der interne Speicher ist beim Xcover 2 ... klein!

c:geo lädt die Bilder ausschließlich in den internen Speicher (es scheint nicht möglich zu sein, eine SD-Karte zu wählen) und da ist beim Xcover 2 nicht viel zu holen. Das Gerät mault, dass dringend etwas gelöscht werden muss, aber der Versuch, ein Bild manuell zu löschen, wird damit quittiert, dass zum Löschen nicht genügend Speicher vorhanden ist. Juchu.

Offensichtlich lädt c:geo alle Bilder der Cachebeschreibungen, nicht nur die aus dem Beschreibungstext (wie VantagePoint) sondern alles, was an der Beschreibung hängt. Somit unter anderem auch Hintergrundbilder, auszudruckende Dateien, Spoilerbilder (wenn ich das richtig gesehen habe). Eigentlich nett, aber leider hilft mir das nichts, wenn danach das Smartphone nicht mehr funktioniert. So beschränke ich mich bei den Mysteries auf die Daten aus der GPX-Datei, aber erst nachdem mein Freund es geschafft hat, das Xcover 2 wieder zum Laufen zu bringen. Solange das Smartphone noch mitspielt, kann man übrigens auch alle Bilder von c:geo löschen und mit dem Laden der Daten von vorne anfangen.

Offline-Karten für die Cachesuche kann man sich von Mapsforge herunter laden. Für den ersten Versuch reicht für mich die BaWü-Karte, die ich glücklicherweise auf einer externen Karte ablegen kann und nur noch in c:geo einbinden muss.

Und auf geht es ins Feld!

Leider gibt es schon beim GPS-Fix in der freien Natur ein Problem: Das Smartphone will uns einfach nicht lokalisieren. Erst bei Verbindung zu einem vorübergehend eingerichteten Hotspot werden die nötigen Satelliten gefunden. Routing funktioniert mit der Mapsforge-Karte leider nicht. Auch die für die Offline-Nutzung gespeicherten GoogleMaps-Ausschnitte geben das nicht her.

Hier scheint Locus eine Alternative zu sein. Nach der Installation kann man die App direkt aus c:geo heraus aufrufen. Lt. Beschreibung kann man Offline-Karten einbinden. Bis dahin bin ich mit meinem Test aber nicht mehr gekommen. Ebenso wenig habe ich getestet, ob damit dann eine Navigation möglich ist. Die App wird explizit auf der Anleitungsseite von c:geo empfohlen und soll zudem auch Tracks (angeblich auch unter Verwendung von My Tracks) speichern können.

Unterwegs erforsche ich noch ein wenig das Programm: Man kann zwar den aktuellen "Track" einblenden (seit letztem c:geo-Start), gespeichert wird davon scheinbar nichts. Außerdem wird nicht "richtig" getrackt: Oft wirt vom letzten Fix bis zum nächsten einfach eine gerade Linie gezogen. Für die Auswertung der zurückgelegten Strecke also unbrauchbar. So schalte ich parallel My Tracks an. Schließlich möchte ich wissen, wie weit ich gewandert bin!

Ich setze - testweise - noch einen Wegpunkt. Dies funktioniert nur "zu" einem Cache, allein stehende Wegpunkte werden nicht unterstützt.

Wieder daheim exportiere ich sowohl die "Field Notes" als auch die GPX-Datei von c:geo:

Die "Field Notes" kann man nicht nur exportieren sondern auch gleich bei Groundspeak hochladen, was ich sehr praktisch finde.

Die GPX-Datei von c:geo enthält leider nur die Caches mit dem einen Wegpunkt, bei dem zudem nicht mal der Name übernommen wurde (er erhält ein zum Cache passendes Kürzel). Die c:geo-Anleitung dazu: "Du kannst außerdem Deine eigenen Wegpunkte auch nicht aus c:geo heraus exportieren." Was jetzt nicht so ganz stimmt :) Ich kann nur nicht - wie gewohnt - "freie" Wegpunkte erzeugen, in Verbindung mit Geocaches erzeugte Wegpunkte werden exportiert. Die FAQ der Anleitung sagt zum Export noch: "Kurz und unschön: nein, das geht mit c:geo leider nicht. Nun ist aber c:geo ja Open Source, also 'ran an den Quellcode und die Funktion selbst einbauen."

Nette Idee, aber bei so einem mächtigen Tool ist die Einarbeitungszeit sicherlich nicht von Pappe?!

Weitere Cache-Versuche später (u. a. eine Runde mit 15 Dosen) stelle ich fest: Cachen mit dem Smartphone kommt an mein Magellan trotz diverser Apps nicht heran:

Anforderung ... erfüllt?
Übersicht über Caches und (auch eigene) Wegpunkte in VantagePoint (automatischer PQ-Import) Hier könnte ich bei VantagePoint bleiben.
Planen von Routen in VantagePoint Auch hier könnte ich weiter VantagePoint verwenden.
Einblendung der Realkarte Ja, VantagePoint bleibt.
Übertragung aller Cachebeschreibungen an das Gerät mit allen Infos (inklusive Bildern) Müsste manuell je nach Tourplanung mit c:geo gemacht werden, wobei zumindest beim Xcover 2 die interne Speicherkapazität das nicht her gibt. So ist c:geo nur für kleine Touren oder spontane Einzel-Dosen-Suche brauchbar.
Navigation zum Cache (Luftlinie, Radweg ...), unten können verschiedene Felder eingeblendet werden Zum Einen konnte ich die Navigation ("noch xy km", kürzeste Strecke etc.) mit keinem Programm zu meiner Zufriedenheit lösen. Evtl. kann Locus mehr als ich auf die Schnelle heraus finden konnte. Für Autonavigation könnte man noch - losgelöst vom Geocachen - MapFactor verwenden. Zum Anderen ist die Genauigkeit des Smartphones verglichen mit dem GPS grausig: Wir haben nur Caches direkt an Wegen gesucht, die netterweise schon "Cacherpfade" hatten. Mitten im Wald ohne Pfad ist man hier auf jeden Fall völlig aufgeschmissen. Damit ist die wohl wichtigste Voraussetzung nicht erfüllt.
Hinzufügen von Wegpunkten (z. B. beim Multi) Durchgefallen. Vor allem der spätere Export hat überhaupt nicht funktioniert.
Loggen des Caches mit Text Die Texteingabe war komfortabler als mit dem Magellan, die direkte Übertragung zu Groundspeak klasse.
Informationen zur aktuellen Tour/zum aktuellen Track Könnte evtl. My Tracks hergeben, wobei ich bisher mit der App auch beim Joggen noch nicht so richtig warm geworden bin.
Auswertung der Tour in VantagePoint (Track, Kilometer, Höhenprofil, gefundene Caches, Wegpunkte ...) Fehlanzeige. Hier müsste mit mehreren Tools, Konvertierungen etc. gearbeitet werden. Wobei ich mir dazu vor ewigen Zeiten schon mal kurz die GPS-Track-Analyse.NET angesehen habe. Die sollte ich vielleicht - auch ohne Smartphone-Caching - mal wieder hervor holen.
Das Gerät macht erstaunlich gute Fotos (mit GeoTags - selbstredend) Ok, das kann ein Smartphone, sogar mit umfangreicheren Einstellungsmöglichkeiten als mein Magellan ....




*Schon vor einer Weile hat Magellan Deutschland bekannt gegeben, dass sie sich zur Zeit eher auf den Fitnessmarkt konzentrieren (als wenn Geocachen unsportlich wäre!):


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