Dienstag, 30. September 2014

Die drei ??? und das Phantom aus dem Meer - Ein Buch von Marco Sonnleitner (2 Sterne von 5)

Alles digi, oder was?
Ich glaube, das Phantom aus dem Meer war das erste ???-Buch, was ich mir digital zugelegt habe. Eigentlich fand ich die gedruckten Bücher im Regal (genug Platz vorausgesetzt) immer sehr schön, aber wenn der Print das 1,5-fache der digitalen Version kostet, überlegt man sich, ob man das wirklich braucht ... Nun also zum (digitalen) Phantom aus dem Meer:

"Meer? Phantom? Leuchtturm? Das sind ja drei vielversprechende Dinge!", waren meine Gedanken, als ich das Buch entdeckte. Doch konnte das Buch nicht das halten, was das Cover versprach.

Lieblingsszene
Vorweg meine Lieblingsszene, weil ich sie einfach göttlich finde: "... und der dicke Wollpullover, den er trug, war früher wahrscheinlich einmal weiß gewesen. Manche Stellen sahen fast aus, als würde Moos auf ihnen wachsen. Oder war das Moos?" Klasse Beschreibung, oder?

Wer weiter lesen will: Ab hier gilt "Vorsicht, Spoiler!"!

Der Inhalt
Es beginnt damit, dass Tante Mathilda Just und Bob mit Kräutertee und Haferkekse ohne Milch, Eier und Butter locken will. Dann doch lieber Kirschkuchen, da weiß man, was man hat! Seit wann ist sie dem Gesundheitswahn verfallen? Bisher war ich der Meinung, dass sich Just seine Diäten selber auferlegt? Und nicht nur am Ende des Buches wird er - natürlich - wie immer - schwach ...

Zuvor bleiben Just und Bob die Haferkekse erspart, weil sie Peter zu Hilfe kommen müssen: Er ist einen Abhang hinab gerutscht, als er vor liebestollen Texas-Lamarque-Fans flüchten musste, dem er wohl ausgesprochen ähnlich sieht, und droht nun abzustürzen. In letzter Sekunde kann Bob ihn auffangen und rettet ihm somit das Leben. Was hat diese Action-Einlage mit der Geschichte zu tun?

Bereits am nächsten Tag reißt sich Peter - ganz der alte - auch schon die Klamotten vom Leib (Just: "Peter, wir haben Dezember und nicht mehr als zwanzig Grad.") um sich ins Meer bei Paradise Cove zu werfen. Er spielt seinen Freunden vor, von einem Hai angegriffen worden zu sein, kommt dann aber doch - natürlich völlig unversehrt - als "riesige, hellbraune Flosse" zurück an Land. Nächste Action-Einlage, was hat die nun mit der Geschichte zu tun? Und witzig war das von Peter auch nicht ...

Eigentlich suchen die drei ??? in der Bucht von Paradise Cove nach einem Mann mit dichtem, langem Bart und finsteren Augen, den Harry Salas' Sohn Colin hier aus dem Meer hat steigen sehen. Da diese ominöse Gestalt nicht auftaucht, besehen sich Just, Bob und Peter die nähere Umgebung und lernen am Leuchtturm Eliah Cristobal, einen offenbar recht erfolglosen Schriftsteller, kennen. Während sie ihn noch zu den seltsamen Vorkommnissen befragen, folgt auch schon die nächste Action-Einlage: Alle vier vernehmen einen herzzerreißenden Schrei eines Mannes und stürzen runter zum Meer.

Hier treffen sie auf den 40-jährigen Ben Kramer, der verzweifelt seine Tochter Fiona sucht. Nachdem Peter sie in einer der Höhlen entdeckt hat, erfährt die inzwischen sechsköpfige Gruppe, dass Fiona - oh Wunder! - offenbar ebenfalls den alten, nassen Mann mit Bart gesehen hat. Eliah Cristobal empfiehlt, das Dead Man's Grave aufzusuchen. Hier soll es einen Jimmy Blue Eye geben, der mit den mysteriösen Vorkommnissen in Paradise Cove auskennt.

Jimmy faselt ein paar Brocken, die die drei ??? recht schnell zu einer Geschichte zusammen setzen: Ein unglücklicher Todesfall, eine Schiffskatastrophe am Devil's Tooth und ein Selbstmord. Ist es der Selbstmörder, der jetzt - Jahre später - aus dem Meer heraus steigt und kleinen Kindern Angst einjagt? Denn nur diesen ist die Gestalt bisher erschienen ...

Kurze Zeit später bemerken die drei ???, dass Salas nicht gut auf Cristobal zu sprechen ist. Grund ist die hübsche 20jährige Vanessa Goodstein, der Tochter von Albert Goodstein (der übrigens eine frappierende Ähnlichkeit mit Ben Kramer haben soll), die Just, Bob und Peter bereits auf ihrem Weg zum Leuchtturm getroffen haben: Salas ist in sie verliebt, Vanessa jedoch hat mehr für Cristobal übrig.

Just klärt den Fall schließlich mit Hilfe eines Spiegels und schwarzen Klamotten auf. Ein paar unnötige verwirrende Handlungsstränge weniger wären hier echt mehr gewesen.

Ich bin gespannt, ob das Hörspiel, was 03.10.2014 heraus kommt, besser ist. Erfahrungsgemäß werden Handlungsstränge entfernt oder sogar leicht umgeschrieben.

Aufbau der Charaktere
Ich habe das Buch extra nochmal gelesen, da mir einige Verhaltensweisen recht seltsam vor kamen, wenn man die Lösung am Ende betrachtet. Und ja, sie sind nicht unbedingt logisch aufgebaut.

Spannungsfaktor
Trotz ständiger Action-Einlagen ist das Buch eher langweilig und beinhaltet lediglich einige verstrickte Handlungsstränge, deren Notwenigkeit sich mir nicht immer erschließt. Und hey, das mit Jimmys 7. Dezember ist doch echt ZU weit her geholt, oder?! Ich hatte mir davon mehr versprochen als einen Hinweis auf einen Handlungsstrang, der nicht unbedingt für die Geschichte nötig ist.

Gruselfaktor
Ich weiß nicht, ob bei der Story ein leichter Grusel entstehen soll mit Typen wie Jimmy Blue Eye, die im Dead Man's Grave hocken, Schiffskatastrophen am Devil's Tooth, toten, aus dem Meer steigenden, rachenehmenden Vätern und brotlosen Schriftstellern, die als Pirat verkleidet um den Leuchtturm rennen. Falls ja, ist es gründlich in die Hose gegangen.

Doppelgänger
Texas Lamarque kommt wohl vor um hervorzuheben, dass sich zwei Personen enorm ähneln können. Aber das wissen wir alle seit Ian Carew. Ein oder mehrere lustige Hinweise auf diese "alte Geschichte" der drei ??? hätte mir wesentlich besser gefallen.

Ist "Elefantenhaut" die Steigerung von "Gänsehaut"?
Die Szene: "... Peter war nur noch Gänsehaut. Ach was, Gänsehaut. Elefantenhaut!", habe ich nicht verstanden. Ist das eine gängige Steigerung?

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