Donnerstag, 18. Dezember 2014

Ein Winter mit Baudelaire - Ein Buch von Harold Cobert (5 Sterne von 5)

Das Buch ist so schön, so traurig, dass man immer weiter lesen möchte - und dabei hat man Angst, dass es plötzlich vorbei ist.





Inhalt

Die wahnsinnig sympathische Hauptperson Philippe verliert auf einen Schlag Frau, Tochter, Job, Leben. Gefühlt passiert dies unangekündigt, tatsächlich hat sich dieses Unglück über einen längeren Zeitraum über seinem Kopf zusammengebraut. Zu Beginn versucht Philippe sich noch irgendwie über Wasser zu halten, landet aber doch auf der Straße. Auf einer Straße, die einem wirklich Angst macht. Beim Lesen überlief mich regelmäßig ein Schauder. Ich weiß nicht, ob die Beschreibung der Realität entspricht oder ob es vielleicht sogar noch schlimmer ist. Mich hat der Text auf jeden Fall aufgerüttelt: Egal, wie dreckig es einem gerade geht, solange man das Buch lesen kann, ist man noch nicht dort angekommen, wo Philippe ist. Dort ist es viel schlimmer!

Als Philippe so richtig am Ende ist, gibt es eine Wende in seinem Leben. Er fasst wieder neuen Lebensmut, knüpft Freundschaften und sieht schließlich sogar seine über alles geliebte Tochter wieder. Das Ende finde ich traurig, aber ich denke, dass es zu diesem ernsten und etwas bedrückenden Buch passt.

Schreibstil

Der Schreibstil von Harold Cobert hat mir gleich zu Beginn wahnsinnig gut gefallen. Sehr kurze und klare Sätze, kleine Kapitel. Nicht zu viel Beschreibung, nicht zu wenig. Die Zeitwahl "Präsens" hat mich zuerst verwirrt, doch nachdem ich mich zurecht gefunden hatte, wollte ich das Buch gar nicht mehr weg legen. Ich hatte das Gefühl, dadurch näher an der Hauptperson zu sein, als wenn der Text im - sonst üblichen - Präteritum verfasst ist.

Kritik

Ich habe das Buch geschenkt bekommen, wahrscheinlich wegen des Hinweises auf den "unwiderstehlichen Vierbeiner" auf dem Umschlag. Dieser - tatsächlich unwiderstehliche! - Vierbeiner tritt leider erst richtig auf Seite 188 auf und begleitet den Leser dann bis fast zur letzten Seite. Da dies nur gut ein Drittel des Buches umfasst, finde ich den Titel nicht unbedingt glücklich gewählt. Auch die Beschreibung auf dem Umschlag hätte ich anders verfasst. Dies tut jedoch dem in meinen Augen fabelhaften Buch keinen Abbruch.

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