Dienstag, 19. Mai 2015

Aluminium im Deo - geht es wirklich ohne?

Vor einer Weile (eigentlich schon vor über einem Jahr ... Kinder, wie die Zeit vergeht!) habe ich einen Beitrag bei Spiegel von Jens Lubbadeh gelesen: Wir machen uns mal frei: Ein Leben ohne Alu-Deo. Der Schreibstil - bzw. der Autor - war mir vorher namentlich noch nicht aufgefallen. Wunderbar!

Das diskutierte Thema:

Ist Aluminium im Deo schädlich?
Wenn ja, wie sehr?
Wenn ja, kann man gefahrlos - für sich und die Umwelt - darauf verzichten?

Am Ende des Artikels kommt Herr Lubbadeh zu folgendem Fazit: "Für meine Achselhöhlen gilt fortan: Keine Windeln und kein Alu mehr."

Der Artikel und zeitgleiche weitere Hinweise auf "böses Aluminium" haben mich damals nachdenken lassen. Erhöht aluminiumhaltes Deo tatsächlich das Risiko, Brustkrebs zu bekommen? Auch wenn das offenbar nicht unbedingt erwiesen ist, kann es doch auch nicht schädlich sein, auf Aluminium zu verzichten? Bei diesem löblichen Gedanken blieb es dann auch.

Drei Monate später traf ich Herrn Lubbadeh (ich hoffe, ich tippe den Namen hier konsequent richtig) wieder. Dieses Mal ging es um: Alu-Deo und Wasch-Gelage: Aus dem Leben eines Extremschwitzers. Gewohnt witzig beschrieb er, wie er sich von seinem guten Vorsatz "kein Aluminium mehr" verabschiedet hatte. Sobald sich die Sommerhitze breit machte, versagte bei ihm jedes aluminiumfreie Deo und er kehrte nicht nur zu Aluminium zurück sondern verwendet jetzt sogar ein silberhaltiges Produkt.

Wie schädlich ist Silber für die Gesundheit? Sollte Silberschmuck verboten werden?

Silber wird schon länger als geruchsneutralisierend beworben. Ich verwende beispielsweise ein "Hygiene Spül- und Wischtuch" mit Silber, welches "keine Bakterienbildung & keine unangenehmen Gerüche im Tuch" verspricht. Ok, zaubern kann das Tuch nicht. Aber ich habe tatsächlich das Gefühl, es "müffelt" weitaus später als seine "normalen" Kollegen. Wie gesundheitsschädlich dieses Spültuch ist, konnte ich nicht herausfinden.

Zurück zu Herrn Lubbadeh. Der zweite Artikel lebt weniger vom Aluminium, sondern mehr von der Beschreibung des Alltags des Autors. Ich habe herzlich gelacht, obwohl es eigentlich gar nicht so lustig ist. Kommen mir doch viele Situationen sehr bekannt vor. Auch ich ziehe dunkle Kleidung vor, da dort die Schweißbildung weniger auffällt. Aber wehe, wenn der Schweiß trocknet! Am "schönsten" sind die "Engelsflügelchen", die man bekommt, nachdem man unter einem Rucksack geschwitzt hat und dann getrocknet ist ... selbstmurmelnd ist man natürlich mit jemandem auf einer Wanderung, der zwar ständig erwähnt, gerade mindestens zu "zerlaufen", dessen helles Baumwollshirt aber ohne den leisesten Wasserflecken noch immer locker den Körper umspielt.

Nun der Selbstversuch: Geht es vielleicht doch "ohne Aluminium"?

Es ist Frühling. Und ich stehe vor der Überlegung, es mal ohne Aluminium (und auch ohne Silber) zu versuchen. Drei Deo-Produkte habe ich mir zum Testen geholt.

Nivea "fresh pure". "Lässt die Haut atmen", verspricht der Aufdruck. Und "48h Milde Pflege". Wenn man zur schwitzenden Bevölkerung gehört, duscht man nicht nur alle 48 Stunden! Es sei denn, der Warmwasserspeicher ist schon wieder defekt und der Elektriker lässt auf sich warten (wie aktuell). Dann besteht eventuell doch die Gefahr ...

CD "Glücksgefühl". Ein "24h Deo", das man vielleicht sogar öfter nehmen sollte: Ein Aufkleber verspricht: "Macht nachweislich Gute Laune*"! "Gute" ist übrigens tatsächlich großgeschrieben. Beim Sternchen steht: "Unabhängiges Testinstitut: 50 Probanden", keine weiteren Infos. Das Deo verzichtet nicht nur auf Aluminiumsalze, sondern entspricht dem "CD Reinheitsgebot": 0% Mineralöle, Silikone, Parabene, Farbstoffe, tierische Inhaltsstoffe. Kaum zu glauben, dass es bei all diesen Vorteilen auch noch den mir wichtigsten hat: "Keine weißen Rückstände"! Bei schwarzen Shirts hat man nämlich sehr schnell weiße Stellen unter den Armen. Bitte jetzt keine Hinweise, man müsse das Deo ja nicht überdosieren. Die Flecken erscheinen über kurz oder lang. Punkt.

alverde "Fresh", Geschmacksrichtung "Meeresalge Bambus". Ein Deo mit "24h Wirkung". Auf der Flasche kann man lesen: "Keine Deoflecken*". Auf der Rückseite ist das sogar noch näher erklärt: "Hinterlässt keine weißen Rückstände auf dunklen Textilien und verhindert das Entstehen gelber Flecken auf weißen Stoffen.*" Zum Sternchen: "Wirksamkeit von einem unabhängigen Institut bestätigt. Wirksamkeitstests in vitro." Naja, ob ich von "Wirksamkeit" sprechen würde bei der Vermeidung von weißen Rückständen und gelben Flecken? "Wirksamkeit" würde ich eher bei der 24-Stunden-Geschichte erwarten. Und ich hätte eher einen Test mit Probanden und ihren Lieblingsshirts erwartet, nicht "in vitro". Auch dieses Deo - Bioprodukt - verzichtet auf vieles: auf rein synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe (was ist mit halbsynthetischen?) und auf Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis. Die verwendeten Rohstoffe kommen bevorzugt aus kontrolliert biologischem Anbau.

Als kleiner Einwurf zwischendurch: Die Deos von CD und alverde brennen nach der Rasur auf der Haut - und das nicht mal wenig. Für mich eigentlich schon ein k.o.-Kriterium.

Was kann ich jetzt von diesen Deo-Produkten erwarten? Was genau ist eigentlich ein "Deo(dorant)"? 

Fragen wir einmal den Duden, was man erwarten kann, wenn man ein Deo kauft:
kosmetisches Mittel gegen Körpergeruch. 
Bei Wikipedia findet man (selbstmurmelnd) einen ganzen Beitrag. Einleitung:
Ein Deodorant (auch Desodorant, latein.: Entriecher), kurz auch Deo genannt, ist ein Körperpflegemittel, das vorwiegend in den Achselhöhlen aufgebracht wird, um unangenehmen Körpergeruch zu bekämpfen.
Also ist offenbar das primäre Ziel, den eigenen Körpergeruch zu bekämpfen bzw. zu überdecken.

Was genau erwarte ich von meinem Deo?

Morgens auf die gewaschene Haut aufgetragen soll mich mein Deo - ganz nach Beschreibung - vor meinem eigenen Schwitzegeruch bewahren. 24 Stunden wären toll, auch wenn man in meinem Alter "durchmachen" schon lange nicht mehr schafft. Zwölf Stunden totsicherer Schutz vor Geruch würden für die meisten Situationen reichen.

Was genau schaffen aluminiumfreie Deos?

Leider schaffen alle drei Deos nicht mal ansatzweise, was ich von ihnen erwarte. Bei den leicht erhöhten Temperaturen jetzt im Mai habe ich schon nach kurzer Zeit das Bedürfnis "nachzulegen". Ohne Deo in der Tasche traue ich mich gar nicht vor die Tür! Wenn ich dann nachgelegt habe, duftet mir kurzzeitig das Deo aus meinem Shirt entgegen. Doch sobald das Produkt getrocknet ist, ist das Bedürfnis nachzulegen auch fast schon wieder da.

Wie ich mich fühle, wenn ich richtig ins Schwitzen komme, möchte ich hier gar nicht breit treten. Vor seinen eigenen Achelhöhlen kann man nur sehr schwer flüchten ... ich verweise an dieser Stelle nochmal auf die Artikel von Herrn Lubbadeh.

Der Schweiß läuft ...

Es gibt Vermutungen, dass die "Entwöhnung" vom aluminiumhaltigen Deo eine Weile dauert, dass die Schweißmengen abnehmen, wenn man nur lange genug durchält. Ich halte jetzt schon über vier Wochen durch ... keine Änderung zu bemerken.

Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalten werde. Das hängt auch von meinen Mitmenschen ab. Und der Temperaturentwicklung in den kommenden Wochen. Bis zur Aufgabe verteile ich täglich - gefühlt - einen ganzen Deoroller unter den Armen. Am wirksamsten von den unwirksamen Produkten erscheint mir noch das alverde Produkt, was jedoch auch das teuerste ist. Nur das Gefühl, meinem Körper etwas Gutes zu tun, hält mich bei der Stange.

So, jetzt habe ich mir eine Portion "Gute Laune" von CD verdient!

P.S.: Passend zum Thema haben wir uns grad Staffel für Staffel durch "Stromberg" geschaut und sind regelmäßig auf Berthold "Ernie" Heisterkamp gestoßen. Da es noch kein Geruchsfernsehen gibt, konnten wir am Büroalltag recht entspannt teilnehmen. Ob er auch ein aluminiumfreies Deo verwendet?

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