Sonntag, 11. September 2016

Noch nicht ausgestorben: Die klassische Nullung!

oder: Pfusch am Bau vom Fachmann

von Elektrotechnik Zabler
Wer schon mal ein Haus gekauft hat, der weiß, dass nach der Schlüsselübergabe eine Menge Arbeit auf einen wartet, völlig normal ist dabei wohl, dass die eine oder andere Katastrophe passiert ...

Die 20 Jahre alte Küche haben die alten Eigentümer netterweise entfernt. Nachdem wir Tapeten und Fliesenspiegel das gleiche Schicksal zugefügt haben und eine neue Küche geordert ist, kommt ein Mitarbeiter von Elektrotechnik Z. und läasst sich von Möbel F. bezüglich der zu verlegenden Steckdosen einweisen.

"Morgen früh gegen 7:30 Uhr könnten wir das machen. Wenn Sie da nicht können, kann ich Ihnen nicht sagen, wann wir wieder Zeit haben", offenbart mir der 2-Meter-Mann.

Klarer Fall von "Jetzt oder gar nicht", auf den ich mich (natürlich) einlasse.

"Gegen 7:30 Uhr" ist dann mehr 7:50 Uhr als 7:45 Uhr, als der "Obermonteuer" (lese ich später auf der Rechnung) vorfährt. Eine an die Wand gemalte Dosenansammlung kann er im Laufe des Vormittags nicht umsetzen, "da dort die Kabel verlaufen. Ich habe aus Versehen schon rein gebohrt". Sie werden an die Wand daneben gelegt.

Etwa 15 Minuten vor "Mittag" (= 12 Uhr) darf ich einen Materialzettel unterschreiben und weg ist der Herr Obermonteur, left (nahezu) nothing but footprints.


Zwei Tage später ist Tapeten-Abzieh-Einsatz im großen Stil. Beim Versuch, einen Dampfreiniger im Dachgeschoss zu verwenden, müssen wir feststellen, dass dort alle fünf Steckdosen keinen Saft liefern. Bei meinem Anruf bei Elektrotechnik Z. wird erstmal vermutet, dass es nicht unbedingt einen Zusammenhang mit dem Besuch des Obermonteuers geben müsse, das könne "auch Zufall" sein! Trotzdem wird "nach Mittag gegen 13 Uhr" jemand vorbei kommen.

Der schon bekannte Herr Obermonteur geht geschäftig an mir (im Flur Tapeten abziehend) vorbei und pendelt zwischen Küche, Stromkasten und Dachgeschoss. Zwischendurch erfahre ich, dass das Problem durchaus mit dem durch sein Bohren ausgelösten Kurzschluss zusammenhängen könne, er aber den Fehler nicht fände. Irgendwann höre ich ihn telefonieren.

Kurz danach steht er vor mir: "Irgendwo zwischen Küche und Dachgeschoss geht die Erde verloren. Ich habe jetzt das blaue und das grün-gelbe Kabel zusammengedreht, da ich den eigentlichen Fehler nicht finde. Mit einer normalen Sicherung für das Dachgeschoss funktioniert das problemlos, nur eine FI-Sicherung dürfen Sie nicht einbauen."

In meinen Augen hört sich das nach einem "quick and dirty"-Fix an. "Und das stellt kein Sicherheitsrisiko da?", frage ich ungläubig.

"Nein, nein, diese klassische Nullung wurde früher immer gemacht!"

Wann war früher? Da ich ihn ja nicht zwingen kann, weiter nach dem Fehler zu suchen, entlasse ich ihn und sage, dass ich mich über diese "Nullung" erstmal schlau machen muss.

Ein Fachmann, den ich nach Feierabend interviewe, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: "Ich bin mir nicht sicher, ob diese Nullung nicht inzwischen sogar verboten ist!" Netterweise begibt er sich in unser Haus, klopft etwas Wand auf und findet heraus, wo die Erde auf der Strecke bleibt: Direkt über dem Anschluss in der Küche wurde irgendwann in grauer Vorzeit eine Lüsterklemme eingebaut und wieder verputzt, warum auch immer. Aus dieser Lüsterklemme ist die Erde - offenbar durch den Kurzschluss - herausgeflogen.


Bei der näheren Betrachtung der Arbeit des Obermonteuers sieht man zudem: Die Verkleidung der Kabel geht nicht immer bis zur Dose - gar nicht schön.


Wenige Tage später kommt die Rechnung von Elektrotechnik Z.: Satte 4,5 Obermonteur-Stunden wurden berechnet.

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